Banner_IDEepolis1

IDEepolis 2014 – TAGUNG

„Anonymität und Transparenz in der Digitalen Gesellschaft”

→ zum Programmflyer

Der Soziologe Georg Simmel hat bereits in seinem Aufsatz „Das Geheimnis und die geheime Gesellschaft“ ([1908] 1999) sowohl auf die Bedeutung von Wissen und Verbergen in sozialen Interaktionen als auch auf deren (ökonomische, soziale, kulturelle und historische) Kontextabhängigkeit hingewiesen. Konstitutiv für soziale Beziehungen sei der Respekt vor dem nicht geäußerten „Geheimnis des Anderen“: „So scheiden sich die Verhältnisse der Menschen an der Frage des Wissens umeinander: was nicht verborgen wird, darf gewusst werden, und: was nicht offenbart wird, darf auch nicht gewußt werden.“ Nicht erst mit dem durch den Whistleblower Edward Snowden publik gemachten NSA-Abhörprogramm PRISM stellt sich im öffentlichen Diskurs die Frage nach der Relevanz von Anonymität in der heutigen und zukünftigen Digitalen Gesellschaft. Im Zuge der Datenpreisgabe im Netz seitens der Nutzer und der Datenaggregation durch Unternehmen (Stichworte: Big Data und Data-Mining) und Regierungen (Stichworte: Cyberwar, Datenspionage, Vorratsdatenspeicherung) erweist sich das Verhältnis von Anonymisierung und Identifizierung als zunehmend instabil. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob wir uns auf eine de-anonymisierte Gesellschaft zubewegen – eine Gesellschaft, in der das Geheimnis keinen Platz mehr hat. Welche Auswirkungen könnte dies auf politische, soziale und kulturelle Prozesse haben? Bereits 1999 wies der Medientheoretiker Gary T. Marx (M.I.T.) in seinem Aufsatz „What’s in a Name? Some Reflections on the Sociology of Anonymity“ darauf hin, dass es gute Gründe sowohl für die Anonymität als auch die Identifizierbarkeit von Sender bzw. Empfänger in der mediatisierten Kommunikation gibt, allerdings sei die zentrale Frage, „under what conditions is it right or wrong to favor anonymity or identifiability“?

Die Tagung IDEepolis möchte sich multiperspektivisch mit den Voraussetzungen und der Funktion von Anonymität in bestimmten Kontexten befassen. Sowohl auf der Makroebene der Gesellschaft als auch der Mikroebene der Akteure sollen Argumentationen und Begründungen für den Geltungsbereich der Anonymität und Transparenz erörtert werden.

Im Anschluss an die Tagung 2014 findet die offizielle Inaugurationsfeier des Instituts für Digitale Ethik statt.